Schaaner-Ried

Es ist wohl überall bekannt, dass wir als Einzige im Land,
die Altledigen ganz offen preisen, um auf ihr Dasein hinzuweisen.
Nun diesen Brauch, s’ ist wirklich wahr, gibt’s schon seit über hundert Jahr.
Bleibt die Frage, wie er entstand, was uns Frast’ner mit dem Schaaner-Ried verband?
Wie können Gründe im fernen Liechtenstein, in Verbindung mit unseren Altledigen sein?
Einzig als Chronik uns erhalten blieb, was einst ein Dorfschullehrer schrieb:

Da Frastanzer Bauern in jenen Jahren, Besitzer solcher Gründe waren,
stellten diese grossen Reichtum dar, auch wenn’s sehr abgelegen war.
Nun früher war es eben so, ein rechter Bauer war erst froh,
wenn zusammen fand sich gleich und gleich, arm zu arm, wie reich zu reich.
Der Volksmund dies dann so verkünd’t: „’s braucht neue Zäune bei den Gründ’,
man wird sie alsbald neu verwalten, ansonsten bleibt es eh’ beim Alten!“

Man zog dann aus, so musst es sein, und zäunte eben anders ein.
Bei den jungen Leut war dies Gescheh’n, zu jener Zeit sehr gern geseh’n.
Im lockeren, stets illustren Rahmen, meistens noch mehr zusammen kamen.
Ja selbst ohne Segen von zu Haus, suchten Junge dort oft Liebste aus.
Probat fand man das schon vor Jahren und fing an ins Schaaner-Ried zu fahren.
Natürlich stand, man tat’s auch kund, nun Narretei im Vordergrund.

Mit Schällen, getösem Fässerklang, so zog man durch die Gassen,
die Frast’ner Ortsgrenzen hat man, seither nie mehr verlassen.
Der Ausrufer ritt von Haus zu Haus, rief lauthals die Altledigen raus.
Ein Tanzpaar, das sich wiegt im Reigen, sollte das Glück der Ehe zeigen.
Junge Burschen mit ihren Geisseln, auf früheren Besitz hinweisen.
Und mit Axt und Pfahl zeigten Züner an, dass nichts für immer währen kann.

Ja so entstand das Schaaner-Ried, und das ist’s, was bis heut geschieht.
Über Jahre ist, nicht ohne Sorgen, ein riesen Umzug draus geworden.
Vom Fortschritt zwar nicht überrollt, haben wir ihm doch Tribut gezollt.
Längst lassen sich unsere Freunde, vom ganzen Land und der Gemeinde,
es sich nicht nehmen mitzufahren und besuchen uns in Scharen.
Für kurze Zeit erhellt die Nacht, ein Feuerwerk mit seiner Pracht.

Auch fühlt sich lägst niemand blamiert, nur weil er ausgerufen wird.
Ja echte Ledige, das ist der Hit, fahren bei uns alljährlich mit.
Und die, die Durst und Hunger haben, können sich an Ständen laben.
So ist vieles nicht mehr wie’s einmal war und doch sind unsere Ziele klar.
Mit Weitsicht müssen wir neu gestalten, und doch das Urige erhalten.
Die Zeichen der Zeit stets früh erkennen, und tatkräftigst in Angriff nehmen.

Vor allem die Jugend, in ihrem närrischen Treiben, darf hier nicht auf der Strecke bleiben.
Gestalten heisst auch nach Ordnung trachten, alle Regeln der Vernunft beachten.
Heisst nie wirklich zu verzagen, heisst Jedermann um Hilfe fragen.
Ach ja – und euer Vertrauen liebe Narrenfreunde zu behalten, ja das, das nenne ich auch gestalten.
Lasst uns darauf das Glas erheben, lasst uns unsere Fasnacht leben.
Denn wenn’s am Himmel blitzt und kracht, dann ist Schaaner-Ried bei Nacht!

Schneck – Schneck, Ruck – Ruck
Markus Berginz, 2004

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